Ihr Kind kann aufrecht sitzen und den Kopf halten.
Starten Sie mit einer Mahlzeit, die Ihrem Kind am wenigsten wichtig ist – oft tagsüber.
Ob Rückkehr in den Alltag, persönliche Gründe oder einfach der richtige Moment: Abstillen ist ein Prozess und darf in Ihrem Tempo passieren. Mit kleinen Schritten wird der Übergang für Ihr Baby (und für Ihren Körper) oft deutlich einfacher.
Abstillen heisst, dass Muttermilch nach und nach durch andere Nahrung ersetzt wird, meist zuerst durch Beikost und später durch Mahlzeiten und Getränke.
Abstillen ist mehr als Ernährung: Für viele Babys ist Stillen nicht nur „trinken“, sondern auch Geborgenheit, Beruhigung und Nähe. Deshalb kann es hilfreich sein, rechtzeitig Ersatzrituale einzuführen: kuscheln, tragen, singen, eine ruhige Minute im Sessel oder ein fixer Ablauf am Abend.
Was passiert im Körper? Wenn Sie Stillmahlzeiten reduzieren, stellt sich die Milchbildung meist automatisch um. Wird aber sehr schnell weniger gestillt, kann die Brust stark spannen oder es kann zu Milchstau kommen. Häufig ist es angenehmer, schrittweise zu reduzieren und bei Bedarf nur so viel auszustreichen oder abzupumpen, dass der Druck nachlässt.
Es gibt keinen „perfekten“ Zeitpunkt fürs Abstillen. Entscheidend ist, was für Sie und Ihr Kind passt. Die WHO empfiehlt zwar, nach Einführung der Beikost weiterzustillen – bis zu zwei Jahren oder länger –, aber das ist eine Empfehlung und kein Muss.
Ab etwa sechs Monaten reicht Muttermilch allein meist nicht mehr aus, um alle Nährstoffe zu decken. Deshalb ist dieses Alter ein guter Zeitpunkt, um mit Beikost zu starten. Spätestens ab dem 7. Monat sollte Beikost Teil der Ernährung sein: Am Anfang eignen sich besonders Gemüse- und Früchtebreie in verschiedenen Kombinationen. Nach und nach können auch Kartoffeln, Getreide sowie Fleisch oder Fisch dazukommen. Stillen kann dabei weiterhin eine wichtige Ergänzung bleiben, solange es für Sie beide stimmig ist.
Welche Anzeichen für das Abstillen sprechen:
Ihr Kind kann aufrecht sitzen und den Kopf halten.
Ihr Kind interessiert sich dafür, was Sie und andere Personen essen.
Dinge wie Gabel und Löffel werden plötzlich interessant.
Ihr Baby trinkt nur noch kurz an der Brust und lehnt sie dann ab.
Sie kehren zurück in das Berufsleben.
Notwendigkeit der Einnahme von Medikamenten.
Das Vorgehen beim Abstillen ist individuell. Sie entscheiden, welche Methode am besten passt. Wichtig ist, dass Sie Ihr Kind nach und nach an die neue Situation gewöhnen und nicht zu viel auf einmal ändern. Wenden Sie sich am besten zunächst an Ihre Hebamme oder Stillberaterin.
Beim Stillen schüttet Ihr Körper vermehrt das sogenannte Bindungshormon Oxytocin aus. Es fördert Nähe, wirkt beruhigend und kann sogar Stress senken. Beim Abstillen nimmt diese Oxytocin-Ausschüttung schrittweise ab, weil die Stillmomente weniger werden. Das kann sich auf Stimmung, Schlaf und Wohlbefinden auswirken. Wenn Sie sich in dieser Phase emotionaler, schneller überfordert oder unerwartet traurig fühlen, ist das häufig eine normale Begleiterscheinung der Umstellung.
Jede Abstillreise ist individuell und trotzdem hilft es oft, einen konkreten Ablauf vor Augen zu haben. Nina möchte langsam abstillen, ohne ihr Baby zu überfordern und ohne zu viel auf einmal zu verändern. Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie sie dabei vorgegangen ist.
Nina startet mit der Stillmahlzeit, bei der ihr Baby am wenigsten trinkt und ihre Brust meist am wenigsten voll ist. Bei ihr ist es nachmittags. Sie ersetzt diese Mahlzeit jeden Tag durch Beikost oder den Schoppen. Damit es mit dem Löffel klappt, achtet sie darauf, dass ihr Baby nicht zu müde ist.
💡 Bonus-Tipp:
Die erste Woche läuft gut, also ersetzt Nina die nächste Stillmahlzeit: bei ihr mittags. Sie bleibt beim gleichen Prinzip: pro Woche nur eine Veränderung, damit sich Baby und Körper gut daran gewöhnen können.
Das Stillen am Abend ist für viele Babys besonders wichtig, weil sie das Nuckeln zum Einschlafen geniessen. Nina lässt deshalb die Abendmahlzeit bewusst noch stehen und ändert zuerst die anderen Mahlzeiten.
In Woche 4 geht es für Nina nicht darum, komplett abzustillen, sondern einen Rhythmus zu finden, der zu ihrem Alltag passt. Sie stillt weiterhin nach Bedarf, setzt aber sanfte Leitplanken: ein bis zwei „Fixpunkte“ (z. B. abends) und dazwischen entscheidet sie situativ, was ihr Baby wirklich braucht. Bei Hunger bietet sie zuerst Beikost oder den Schoppen an. Wenn danach noch Nähe oder Trost gefragt sind, darf Stillen weiterhin Platz haben. Gerade abends bleibt es oft ein bewährtes Einschlaf-Helferlein: Nina ersetzt es nicht abrupt, sondern kombiniert ein ruhiges Abendritual mit einem kurzen Stillmoment. So entsteht Schritt für Schritt eine neue Balance, bis sich das Stillen ganz natürlich weiter reduziert.